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Lohnabrechnung und Personalverwaltung mit Business Central

Business Central deckt Personalstamm, Abwesenheiten und Reisekosten ab, die eigentliche Lohnabrechnung läuft in Deutschland aber meist über spezialisierte Software. Hier lesen Sie, wie beides zusammenspielt.

Aktualisiert am 28. Oktober 2026

Wer Lohnabrechnung mit Business Central plant, stellt schnell fest: Das System ist stark in Finanzen, Einkauf, Verkauf, Lager und Produktion, bildet Personalthemen aber nur in Teilen ab. Dieser Beitrag zeigt, was Sie bei Business Central Personal und Lohn realistisch erwarten dürfen, wo in Deutschland eine Zusatzlösung oder die Lohnsoftware Ihres Steuerberaters ins Spiel kommt und welche Punkte Sie vor dem Projekt klären sollten.

Was Business Central bei Personal und Lohn abdeckt

Im Kern ist Business Central ein ERP für den Mittelstand. Personalthemen sind dort ein Begleitbereich: Mitarbeitende werden als Stammdaten geführt, damit Kosten, Aufgaben und Abwesenheiten dem richtigen Menschen und der richtigen Kostenstelle zugeordnet werden können. Für die Buchhaltung ist das der entscheidende Punkt, denn Personalkosten sind in vielen Betrieben der größte Aufwandsblock.

Typischerweise besprechen Sie mit Ihrem Integrator folgende Bereiche:

  • Mitarbeiterstamm: Adresse, Abteilung, Kostenstelle, Bankverbindung für Auslagen, Zuordnung zu Dimensionen.
  • Abwesenheiten und Urlaub: einfache Erfassung von Fehlzeiten, soweit sie für Planung und Kostenträger relevant sind.
  • Reisekosten und Auslagen: Abwicklung über Einkaufsbelege, Zahlungsvorschläge und Genehmigungs-Workflows.
  • Kostenverteilung: Personalaufwand auf Projekte, Kostenstellen oder Geschäftsbereiche über Dimensionen.

Recruiting, Bewerbermanagement und Leistungsbeurteilung gehören nicht zum Kern eines ERP für Finanzen und Logistik. Wenn Sie diese Funktionen brauchen, planen Sie ein spezialisiertes HR-System ein und binden es über Schnittstellen an. Was im Standard enthalten ist und was nicht, hängt von Version und Edition ab; mehr dazu finden Sie unter Versionen und Editionen und in der Übersicht der Module von Business Central.

Lohnabrechnung in Deutschland: ein eigener Fachbereich

Die Lohnabrechnung ist hierzulande ein regulierter Prozess mit eigener Fachlogik: Lohnsteuer, Sozialversicherung, Meldungen an die Träger, Bescheinigungen und Jahreswechsel. Dazu kommen Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen, die je Branche und Unternehmen verschieden sind.

Microsoft liefert die Lokalisierung für Deutschland selbst; die Basisanwendung „DE“ ist online verfügbar, und es gibt eine Umgebung in der Azure-Geografie Deutschland. Die von Microsoft aufgeführten deutschen Funktionen umfassen Umsatzsteuer-Voranmeldungen, VIES, die Zusammenfassende Meldung, Intrastat, Lieferantenmahnungen, negative Buchungen und den Datenexport für die digitale Betriebsprüfung nach GoBD (früher GDPdU). Eine Lohnabrechnung steht in dieser Aufzählung nicht. Daraus folgt für die Planung: Gehen Sie nicht davon aus, dass sich die Lohnabrechnung in der Standardlokalisierung erledigt.

Es bleiben im Wesentlichen drei Wege:

  1. Externe Lohnsoftware oder Steuerberater: die Abrechnung läuft außerhalb, Business Central erhält die Buchungen.
  2. Erweiterung eines Drittanbieters: eine Lösung aus dem Marketplace, die Abrechnungsfunktionen im System bereitstellt. Ihr Umfang, die Wartung bei Gesetzesänderungen und die Haftung sind im Vertrag zu prüfen.
  3. Eigenentwicklung: nur in Sonderfällen sinnvoll, weil jede Gesetzesänderung dauerhaft nachgezogen werden muss. Siehe dazu auch Individualentwicklung.

Für die meisten Mittelständler ist der erste Weg der pragmatische. Das hat auch mit der Rolle des Steuerberaters zu tun: Viele Betriebe lassen die Abrechnung bei ihrer Kanzlei laufen, die dafür DATEV nutzt. Business Central muss dann nur die Ergebnisse sauber aufnehmen.

Schnittstellen zur Lohnsoftware

Zwischen Lohnabrechnung und ERP fließen im Wesentlichen zwei Datenströme.

Stammdaten: Neue Mitarbeitende, Austritte, Kostenstellen und Zuordnungen werden dort gepflegt, wo sie entstehen, und in das andere System übertragen. Legen Sie fest, welches System führend ist. Zwei parallel gepflegte Mitarbeiterlisten führen früher oder später zu Abweichungen.

Buchungen: Nach jedem Abrechnungslauf kommen die Lohnjournale als Buchungssätze in die Finanzbuchhaltung: Löhne und Gehälter, Arbeitgeberanteile, Verbindlichkeiten gegenüber Finanzamt und Krankenkassen, Nettoauszahlungen. Business Central verteilt diese Beträge über Sachkonten und Dimensionen auf Kostenstellen oder Projekte. Wie die Buchhaltung dafür aufgebaut wird, beschreibt der Beitrag zu Buchhaltung und Finanzen.

Aufgabe Üblicher Ort Was zu klären ist
Lohn- und Gehaltsabrechnung Lohnsoftware oder Steuerberater Zuständigkeit, Fristen, Abrechnungskalender
Mitarbeiterstamm führendes System festlegen Abgleich nach Ein- und Austritten
Lohnbuchungen Finanzbuchhaltung in Business Central Kontenschema, Dimensionen, Zahlungsfreigabe
Reisekosten und Auslagen Business Central oder Zusatzlösung Belegerfassung, Genehmigung, Erstattung
Recruiting, Beurteilung spezialisiertes HR-System Datenübergabe an den Mitarbeiterstamm

Die technischen Möglichkeiten von Dateiimport bis Schnittstelle erklärt der Beitrag zu den Schnittstellen von Business Central.

Reisekosten und Spesen sauber abbilden

Reisekosten sind in der Praxis der Bereich, in dem Mitarbeitende das ERP am häufigsten selbst anfassen. Das bringt Anforderungen mit sich, die über die Buchhaltung hinausgehen: Belege müssen aufbewahrt werden, Genehmigungen sollten nachvollziehbar sein, und die Erstattung soll im nächsten Zahlungslauf landen.

Business Central bietet Genehmigungs-Workflows und Zahlungsprozesse, mit denen sich solche Abläufe aufbauen lassen. Wie weit der Standard reicht und ab wann eine Zusatzlösung sinnvoll wird, hängt von Ihren Regeln ab: Gibt es Pauschalen, mehrere Währungen, Projektzuordnung, Kreditkartenabrechnung? Halten Sie das im Lastenheft fest, damit der Integrator keine Annahmen treffen muss.

Für Personen, die nur gelegentlich Genehmigungen erteilen oder Zeiten erfassen, kann die Lizenz Team Members interessant sein. Auf der US-Preisseite nennt Microsoft dafür 8 USD pro Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung; Essentials liegt dort bei 80 USD und Premium bei 110 USD. Microsoft betont, dass der Preis je nach Währung, Land und Variante abweichen kann und erst beim Kauf feststeht. Verbindliche Eurobeträge für Deutschland erhalten Sie vom Lizenzpartner. Eine Einordnung finden Sie unter Preise von Business Central. Welche Aufgaben die einzelne Lizenz erlaubt, sollten Sie schriftlich bestätigen lassen.

Worauf deutsche Unternehmen besonders achten sollten

GoBD und Aufbewahrung

Lohnbuchungen sind Teil der Buchführung und fallen unter die GoBD. Business Central unterstützt den Datenexport für die digitale Betriebsprüfung. Microsoft nennt außerdem eine geplante Weiterentwicklung auf Basis eines Prüfdateiexports und das elektronische Betriebsprüfungsverfahren (euBP) als in Prüfung. Für Planungen gilt: Verlassen Sie sich nicht auf angekündigte Funktionen, sondern auf das, was heute in Ihrer Version läuft. Hintergründe liefert der Beitrag zu GoBD im ERP.

Bescheinigung durch Dritte

Die deutsche Microsoft-Seite verweist auf eine Bescheinigung der Anwendung für den deutschen Markt, die von BDO veröffentlicht wurde. Sie bezieht sich auf die Business-Central-Anwendung, nicht auf eine Zusatzlösung für die Lohnabrechnung. Lassen Sie sich von Drittanbietern ihre eigenen Nachweise zeigen.

Sprache und Oberfläche

Microsoft liefert die Plattform und die Anwendung in deutscher Sprache für Deutschland, aber nicht jede lokale Funktion ist vollständig übersetzt. Dadurch können in einzelnen Masken Englisch und Deutsch gemischt erscheinen. Für Mitarbeitende, die nur gelegentlich im System arbeiten, ist das ein Schulungsthema; siehe Schulung.

Datenschutz und Berechtigungen

Personaldaten sind besonders sensibel. Legen Sie fest, wer Gehälter, Bankverbindungen und Fehlzeiten sehen darf, und trennen Sie diese Rechte von den Berechtigungen der Buchhaltung. Der Betriebsrat, sofern vorhanden, ist bei der Einführung von Systemen zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle zu beteiligen; klären Sie das frühzeitig mit Ihrer Rechtsberatung.

So gehen Sie vor

  1. Zuständigkeit klären: Wer rechnet heute ab, Ihre Personalabteilung oder die Kanzlei? Bleibt das so?
  2. Datenfluss skizzieren: Welche Stammdaten und Buchungen müssen in welche Richtung fließen?
  3. Kontenschema festlegen: gemeinsam mit dem Steuerberater, bevor die erste Buchung automatisiert wird.
  4. Reisekosten beschreiben: Abläufe, Belege, Genehmigungen und Erstattung im Lastenheft verankern.
  5. Zusatzlösungen prüfen: nur dort, wo der Standard Ihre Regeln nicht trägt, mit Blick auf Wartung bei Gesetzesänderungen.
  6. Testlauf mit echten Daten: ein Abrechnungsmonat parallel, bevor die Übergabe produktiv geht.

Wie ein solches Vorhaben insgesamt aufgesetzt wird, steht unter Einführung von Business Central. Wenn Sie noch vergleichen, hilft der Blick auf die Alternativen zu Business Central und den Ratgeber zum ERP-Funktionsumfang für den Mittelstand.

Wer das Projekt begleitet

Die Schnittstelle zwischen ERP und Lohnabrechnung ist selten ein reines IT-Thema. Es sitzen Finanzbuchhaltung, Personalabteilung und Steuerberater am Tisch, und ein Integrator muss alle drei Sprachen sprechen. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass er Erfahrung mit deutschen Abläufen mitbringt und Referenzen für Lohnbuchungen und Schnittstellen nennen kann. Hinweise dazu finden Sie unter Integrator für Business Central wählen. Wir sind keinem Hersteller verbunden und vermitteln kostenlos einen passenden Integrator; der Integrator setzt das Projekt um.

Häufige Fragen

Hat Business Central eine eigene Lohnabrechnung für Deutschland?

Die von Microsoft veröffentlichte Liste deutscher Funktionen nennt Umsatzsteuer, VIES, Zusammenfassende Meldung, Intrastat und den GoBD-Datenexport, aber keine Lohnabrechnung. In der Praxis wird die Abrechnung deshalb meist in einer spezialisierten Lohnsoftware oder beim Steuerberater erledigt und das Ergebnis in Business Central gebucht. Ob eine Erweiterung eines Drittanbieters für Ihren Fall passt, klärt der Integrator im Projekt.

Wie kommen Lohnbuchungen aus DATEV oder einer anderen Lohnsoftware in Business Central?

Üblich ist die Übergabe der Buchungssätze aus der Lohnabrechnung als Datei oder über eine Schnittstelle in die Finanzbuchhaltung. Dort werden Aufwand, Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitenden, Sozialversicherung und Lohnsteuer auf Sachkonten und Dimensionen verteilt. Wichtig ist ein festgelegtes Kontenschema, das Ihr Steuerberater und der Integrator gemeinsam definieren.

Kann ich Reisekosten und Spesen in Business Central erfassen?

Mitarbeitende lassen sich als Stammdaten führen und Auslagen können über Einkaufsbelege und Zahlungsprozesse abgewickelt werden. Wie komfortabel die Belegerfassung und Genehmigung ausfällt, hängt von Konfiguration, Workflows und gegebenenfalls einer Zusatzlösung ab. Das sollten Sie im Pflichtenheft ausdrücklich beschreiben.

Welche Lizenz brauchen Personen, die nur Abwesenheiten oder Genehmigungen bearbeiten?

Microsoft bietet neben Essentials und Premium die günstigere Lizenz Team Members an, die auf der US-Preisseite mit 8 USD pro Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung geführt wird. Welche Aufgaben damit erlaubt sind und was in Euro in Deutschland fällig wird, bestätigt Ihr Lizenzpartner, denn Microsoft weist darauf hin, dass Preise je nach Währung und Land abweichen können.

Ist Business Central für Personalprozesse wie Recruiting oder Leistungsbeurteilung geeignet?

Der Schwerpunkt von Business Central liegt auf Finanzen, Handel, Lager und Produktion, nicht auf einem vollständigen Personalmanagement. Bewerbermanagement und Zielgespräche werden häufig in spezialisierten HR-Systemen geführt und über Schnittstellen mit den Mitarbeiterstammdaten verbunden. Prüfen Sie vor dem Projekt, welche HR-Funktionen Sie wirklich im ERP benötigen.

Quellen

  1. Microsoft Learn – Business Central, Funktionen für Deutschland
  2. Microsoft Learn – Business Central, Länder und Übersetzungen
  3. Microsoft Dynamics 365 – Business Central Preise

Die genannten Softwarenamen sind Marken der jeweiligen Hersteller und dienen ausschließlich der Information. Diese Website ist unabhängig und steht in keiner Verbindung zu den Herstellern.