Wer in Hessen ein ERP-System einführen oder ablösen will, sucht meist keinen Softwarehersteller, sondern einen ERP-Integrator, der die Abläufe des eigenen Unternehmens versteht und das System darauf zuschneidet. Diese Seite zeigt, was die hessische Wirtschaft von anderen Regionen unterscheidet, welche Systeme dazu passen und wie ein Projekt mit einem Integrator in Ihrer Nähe abläuft.
Die hessische Wirtschaft: ein Land der Dienstleistungen
Hessen erwirtschaftete 2024 ein nominales Bruttoinlandsprodukt von 368 Milliarden Euro. Das entspricht 8,6 % der deutschen Wirtschaftsleistung von 4 305 Milliarden Euro. Während die Wirtschaft bundesweit um 0,2 % schrumpfte, wuchs sie in Hessen real um 0,6 %. Rund 3,62 Millionen Erwerbstätige zählte das Land, ein Plus von 0,5 % gegenüber dem Vorjahr.
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung auf die Wirtschaftsbereiche: Die reale Wertschöpfung der hessischen Dienstleister stieg 2024 um 1,9 % – der höchste Zuwachs aller Länder. Das verarbeitende Gewerbe ging um 4,3 % zurück, das Baugewerbe um 2,2 %. Für ERP-Projekte heißt das: Die Nachfrage kommt in Hessen häufig aus Unternehmen, die ihre Prozesse ohnehin neu aufstellen müssen – sei es, weil das Wachstum sie dazu zwingt, sei es, weil der Margendruck in der Industrie und am Bau jede manuelle Schleife teuer macht.
Frankfurt als Schwerpunkt, aber nicht allein
Frankfurt am Main steuerte 2024 mit 25,7 % rund ein Viertel zur hessischen Wirtschaftsleistung bei. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner lag dort bei 126 720 Euro, im Landesdurchschnitt bei 59 190 Euro. Dieses Gefälle erklärt, warum Anfragen aus dem Rhein-Main-Gebiet oft anders aussehen als aus Mittel- oder Nordhessen: Hier sitzen Beratungen, Agenturen, Finanz- und IT-Dienstleister mit projektbezogener Abrechnung, dort eher Maschinenbauer, Zulieferer und Händler mit Lager und Fertigung.
Gewachsen sind 2024 allerdings nicht nur die Metropolen: 22 der 26 Landkreise und kreisfreien Städte legten zu, am stärksten der Hochtaunuskreis (+6,6 %), Offenbach am Main (+6,5 %), der Main-Kinzig-Kreis (+5,7 %) und Wiesbaden (+5,5 %). Die Standorte, an denen ein Integrator gefragt ist, liegen also über das ganze Land verteilt: von Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden über Darmstadt und Hanau bis nach Fulda und Kassel.
Welche ERP-Anforderungen entstehen in Hessen?
Je nach Schwerpunkt Ihres Unternehmens verschieben sich die Anforderungen deutlich. Die folgende Übersicht ordnet typische hessische Konstellationen den Funktionen zu, auf die es im Auswahlprozess ankommt.
| Schwerpunkt | Typische Anforderung an das ERP | Systeme, die häufig geprüft werden |
|---|---|---|
| Beratung, Agenturen, IT- und Finanzdienstleister | Projektabrechnung, Zeiterfassung, Ressourcenplanung, Wiederkehrende Rechnungen | Business Central, Odoo, NetSuite |
| Logistik und Flughafenumfeld | Lager, Sendungsverfolgung, Schnittstellen zu Frachtführern und Zoll | Business Central, SAP Business One, Odoo |
| Maschinenbau, Zulieferer, Fertigung | Stücklisten, Fertigungsaufträge, Planung, Chargen | SAP Business One, Business Central, Sage |
| Großhandel und Handel | Mehrlager, Preislisten, Streckengeschäft, Webshop-Anbindung | Odoo, weclapp, Business Central |
| Wachsende Unternehmen mit mehreren Gesellschaften | Konsolidierung, mehrere Währungen und Standorte | NetSuite, Business Central |
Details zu den Branchen finden Sie bei ERP für Dienstleister, ERP für die Logistik und ERP für die Fertigung.
Dienstleister: Projekte und Rechnungsstellung
Im Rhein-Main-Gebiet sind viele Unternehmen Wissensarbeiter: Sie verkaufen Stunden, Pakete und Abonnements. Entscheidend ist, dass Zeiten, Leistungen und Rechnungen ohne Medienbruch zusammenlaufen und der Steuerberater die Daten ohne Nacharbeit übernehmen kann. Ein Integrator sollte hier zuerst Ihre Abrechnungslogik verstehen und erst danach über Module sprechen.
Logistik und Handel: Bewegung im Lager
Die zentrale Lage Hessens mit Flughafen, Autobahnkreuzen und Gewerbegebieten macht Logistik zu einem prägenden Thema. Wer hier ein ERP einführt, braucht belastbare Lagerprozesse, Schnittstellen zu Versanddienstleistern und eine Auswertung nach Kunden und Routen. Je mehr Sonderfälle Ihr Geschäft hat, desto wichtiger wird ein Partner, der solche Prozesse schon abgebildet hat.
Industrie und Bau: Planung unter Kostendruck
Weil das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe 2024 Wertschöpfung eingebüßt haben, rücken Transparenz bei Kalkulation und Nachkalkulation in den Vordergrund. Ein ERP, das Stücklisten, Fertigungsaufträge und Ist-Kosten sauber verknüpft, zeigt früh, welche Aufträge sich noch rechnen.
Welche ERP-Systeme passen zu hessischen Unternehmen?
Wir sind keinem Hersteller verbunden und stellen die Systeme neutral gegenüber:
- Microsoft Dynamics 365 Business Central ist für viele Dienstleister und Händler interessant, die bereits mit Microsoft-Produkten arbeiten und Finanzen, Einkauf, Verkauf und Lager in einem System bündeln wollen.
- Odoo ist modular aufgebaut und eignet sich für Unternehmen, die Schritt für Schritt starten und das System an eigene Abläufe anpassen möchten.
- SAP Business One richtet sich an wachsende Mittelständler mit Handels- und Fertigungsprozessen.
- weclapp ist eine Cloud-Lösung für kleinere und mittlere Unternehmen mit überschaubaren Prozessen, etwa im Handel und bei Dienstleistungen.
- Sage und Oracle NetSuite kommen vor allem dann ins Spiel, wenn bereits Bestandssysteme existieren oder mehrere Gesellschaften gemeinsam gesteuert werden sollen.
Welches System tatsächlich passt, zeigt erst ein Anforderungsworkshop. Hilfreich ist es, vorab Ihre wichtigsten Prozesse und Ihre Schnittstellen zu notieren.
Pflichtthemen, die jedes hessische ERP-Projekt betreffen
Unabhängig von der Branche gelten bundesweite Regeln. Ihr System muss die Anforderungen der GoBD erfüllen – Nachvollziehbarkeit, Unveränderbarkeit und ordnungsgemäße Archivierung. Wie das in der Praxis aussieht, erklärt unser Beitrag zu GoBD im ERP. Hinzu kommt die E-Rechnung mit XRechnung und ZUGFeRD: Ausgangs- wie Eingangsrechnungen müssen strukturiert erzeugt, empfangen und verarbeitet werden können. Mehr dazu lesen Sie unter E-Rechnung im ERP.
Auch die Schnittstelle zu DATEV und zu Ihrem Steuerberater gehört in jedes Lastenheft. Klären Sie früh, ob Buchungsdaten exportiert oder direkt übergeben werden, und binden Sie die Kanzlei in den Zeitplan ein.
So läuft ein Projekt mit einem Integrator aus Ihrer Region
- Anfrage und Vorauswahl: Sie beschreiben Ihr Vorhaben, wir stellen den Kontakt zu einem passenden Integrator her. Den genauen Ablauf zeigt die Seite So funktioniert es.
- Erstgespräch und Workshops: Der Integrator nimmt Ihre Prozesse auf. Fachabteilungen aus Vertrieb, Einkauf, Lager und Buchhaltung gehören an den Tisch. Ein Teil davon findet erfahrungsgemäß vor Ort statt, weil sich Abläufe in Lager oder Werkstatt besser zeigen als erklären lassen.
- Konzept und Angebot: Umfang, Aufwand und Verantwortlichkeiten werden schriftlich festgelegt. Verlangen Sie, dass Annahmen offen benannt werden.
- Umsetzung und Datenübernahme: Konfiguration, Schnittstellen und Migration laufen meist remote, mit festen Terminen zur Abstimmung.
- Test, Schulung, Go-live: Ihre Anwender testen mit eigenen Daten. Die Schulung findet idealerweise in Ihren Räumen statt, der Produktivstart wird mit einem Rückfallplan abgesichert.
- Betreuung: Nach dem Start unterstützt der Integrator bei Anpassungen und Releasewechseln.
Gerade bei der Frage nach Kosten gilt: Seriöse Zahlen gibt es erst nach einer Bedarfsanalyse. Eine Orientierung zu den Kostentreibern finden Sie auf unserer Seite zu den ERP-Kosten.
Förderung und Wirtschaftsstandort
Die landeseigene Gesellschaft Hessen Trade & Invest (HTAI) in Wiesbaden bündelt Themen wie Außenwirtschaft, Technologie und Innovation unter der Marke Technologieland Hessen, außerdem Digitalisierung, Mobilität, Logistik, Investorenbetreuung und Start-ups. Für Unternehmen, die ihr ERP-Projekt in einen größeren Digitalisierungsplan einbetten, kann sie ein Gesprächspartner sein. Ob ein konkretes Förderprogramm auf Ihr Vorhaben passt, prüfen Sie vor der Beauftragung – nachträglich ist eine Förderung meist ausgeschlossen.
Woran Sie einen guten Integrator erkennen
- Er fragt zuerst nach Ihren Prozessen, nicht nach Lizenzen.
- Er nennt Referenzen aus Ihrer Branche und lässt Sie mit Kunden sprechen.
- Er benennt Risiken und Grenzen des Systems offen.
- Er plant Datenmigration, Schulung und Nachbetreuung von Anfang an mit ein.
Unser Service ist für Sie kostenlos. Schildern Sie Ihr Vorhaben, und wir finden den Integrator, der in Hessen zu Ihrem Unternehmen passt.
Häufige Fragen
Wie finde ich einen ERP-Integrator in Hessen?
Sie schildern Ihr Vorhaben in wenigen Angaben: Branche, Größe, gewünschtes System, Zeitrahmen. Wir leiten die Anfrage an einen passenden Integrator weiter, der Projekte in Ihrer Region begleitet. Der Service ist für Sie kostenlos und unverbindlich.
Brauche ich einen Integrator vor Ort in Frankfurt oder Kassel?
Nicht zwingend. Anforderungsworkshops und Abnahmen lassen sich gut per Videokonferenz führen. Für den Projektstart, Prozessbegehungen in Lager oder Produktion und die Schulung der Anwender ist ein Termin in Ihrem Haus dennoch sehr hilfreich. Ein Integrator aus der Region verkürzt diese Wege.
Welches ERP passt zu einem Dienstleister im Rhein-Main-Gebiet?
Dienstleister brauchen vor allem Projekt- und Leistungsabrechnung, Ressourcenplanung und eine saubere Anbindung an die Finanzbuchhaltung. Häufig kommen Microsoft Dynamics 365 Business Central, Odoo oder Oracle NetSuite in Betracht. Welches System sich eignet, hängt von Ihrer Struktur, Ihrem Bestandssystem und Ihrem Budget ab.
Muss ein ERP in Hessen anderen Vorgaben genügen als in anderen Bundesländern?
Nein, die steuerlichen und handelsrechtlichen Anforderungen gelten bundesweit: GoBD-konforme Buchführung und Archivierung sowie die E-Rechnung. Regional unterscheiden sich eher die Branchenschwerpunkte, die Kundenstruktur und die Nähe zu Steuerberatern und Dienstleistern.
Gibt es in Hessen Unterstützung für Digitalisierungsprojekte?
Die Wirtschaftsförderung des Landes, Hessen Trade & Invest, deckt unter anderem Technologie, Innovation und Digitalisierung ab und ist eine erste Anlaufstelle für Fragen. Ob und welche Förderung für Ihr ERP-Projekt infrage kommt, klären Sie dort und mit Ihrem Steuerberater, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben.
Quellen
- Hessisches Statistisches Landesamt – Hessische Wirtschaft wächst 2024
- Hessisches Statistisches Landesamt – Wirtschaftswachstum in Kreisen und kreisfreien Städten 2024
- Hessen Trade & Invest GmbH
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